Schule | 1

Shownotes

In Folge 1 richtet „Unsafe Spaces“ den Blick auf den Raum Schule: Ein dramatischer Fall zeigt, wie antisemitische Bedrohungen und Gewalt entstehen, wie Institutionen sie verkennen oder bagatellisieren und was das für Betroffene und Familien bedeutet.

Im Gespräch mit Wenzel Michalski sowie den Lehrkräften Mehmet Can (Campus Rütli, Berlin-Neukölln) und Philip Eberhard (Schiller-Gymnasium, Berlin-Charlottenburg) geht es um den Schulalltag vor und nach dem 7. Oktober 2023, um israelbezogenen Antisemitismus, um Unsicherheiten im Kollegium und um konkrete Antworten: Intervention, Haltung, Meldewege, Fortbildung, geschützte Gesprächsräume.

Wir freuen uns über Feedback zum Podcast! Hier geht es zur anonymen Online-Umfrage: https://forms.office.com/e/VLKizgtHuh?origin=lprLink oder schreibt eine Mail an podcast@ghwk.de

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Weiterführende Links:

Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zu antisemitischen Vorfällen und Übergriffen an Schulen in Deutschland: https://report-antisemitism.de/documents/04-06-25RIASBundJahresbericht2024.pdf

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Wir danken der Berliner Senatsverwaltung für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Kultur, die die Realisierung dieses Podcasts durch Mittel aus dem „Aktionsfonds zur Unterstützung von Projekten gegen Antisemitismus“ ermöglicht hat.

Transkript anzeigen

00:00:04: Früher jahr, vor einer Schule in Berlin-Zehlendorf.

00:00:16: Ein Junge, fünfzehn Jahre alt schließt sein Fahrrad ab.

00:00:21: Sein Blick schweift über den Schulhof.

00:00:24: Leer Zu leer.

00:00:28: Er ist spät dran und er weiß was das bedeutet.

00:00:35: Heute erste Stunde Sport.

00:00:38: Er läuft schnell in Richtung Turnhalle.

00:00:46: Die Umkleide ist schon fast leer.

00:00:52: Sein Blick wandert sofort in die hintere Ecke.

00:00:56: Da sind sie dass die beiden auf ihn gewartet haben.

00:01:03: Hastig zieht er sich um, doch er ist zu langsam.

00:01:08: Die anderen Mitschüler verlassen schon den Raum.

00:01:14: Jetzt sind sie allein – er und die beiden!

00:01:23: Die Jungs kommen langsam auf ihn zu.

00:01:27: Er weicht zurück bis er die Wand im Rücken spürt.

00:01:33: Einer der Beiden hält die Tür zu Der andere stellt sich breitbeinig vor ihm auf.

00:01:41: Seit Monaten geht das jetzt schon so.

00:01:43: Sie kleben Zettel mit Hakenkreuzen auf ihn, beleidigen ihn antisemitisch.

00:01:50: Das Herz des Jungen pocht!

00:01:52: Er schließt die Augen, rechnet mit einer Faust in seinem Gesicht.

00:01:57: Doch dann greift einer der beiden Jungs in die Hosentasche und holt etwas hervor – eine E-Zigarette.

00:02:06: Er zieht daran, hält den Rauch im Mund und nähert sich dem Gesicht des Jungs bis auf wenige Zentimeter.

00:02:17: Er pustet ihm den Rauchen langsam ins Gesicht bis der Kopf des Jungen von Rauchschwaden umhüllt ist.

00:02:24: Dann, sagt er mit einem Grinsen und jetzt denkt mal an all deine Verwandten die vergast wurden!

00:02:42: Die beiden sind weg und der Junge bleibt allein

00:02:46: zurück.".

00:03:03: So oder so ähnlich hat das sich an einer Berliner Schule zugetragen?

00:03:17: Ja du hast uns gerade von einem schwerwiegenden antisemitischen Übergriff berichtet der an einer renommierten West-Berliner Schule stattgefunden hat und bei dem ein fünfzehnjähriger Schüler von Mitschülern über einen längeren Zeitraum massiv antisemitisch bedroht wurde.

00:03:32: Die Angriffe zogen sich lange hin, ohne dass irgendjemand eingegriffen hatte.

00:03:36: Und erst nachdem die Familie die Vorfälle öffentlich gemacht hat, wurde das volle Ausmaß bekannt.

00:03:41: Und in der Folge haben dann sowohl der belästigte Junge als auch die beiden verantwortlichen Schüler die Bildungsentrichtung verlassen Und es gab dann eine Diskussion.

00:03:50: Die Schulleitung hat eingeräumt, dass sie nicht frühzeitig eingegriffen hatte und auch den Fall in seiner Schwere nicht erkannt hat.

00:03:57: Und danach hat ne Diskussion über Antisemitismus an Berliner Schulen begonnen.

00:04:02: Aber Antisemitism begegnet uns ist natürlich nicht nur im Schulbereich sondern überall in der Gesellschaft auch bei uns in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wanze Konferenz.

00:04:18: Herzlich willkommen zu unserer Podcastreihe on Safe Spaces!

00:04:22: Mein Name ist Deborah Hartmann.

00:04:23: Ich bin Direktorin der Gedenke und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Und ich bin Jakob Müller, ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter im Haus der Wanseekonferenzen.

00:04:37: In diesem Podcast werden wir uns mit Antisemitismus in Berliner Bildungs- und Kultureinrichtungen auseinandersetzen und uns hierzu verschiedene Räume anschauen, in denen Antisemitism in Erscheinung tritt.

00:04:53: Bevor wir das aber vertiefen lasst uns erst einmal auf uns bzw.

00:04:57: unsere Einrichtung schauen Jakob und ich, wir arbeiten beide zusammen jetzt schon seit mittlerweile fünf Jahren glaube ich.

00:05:04: Also lang schon!

00:05:06: Magst du etwas vielleicht zu deinem Hintergrund sagen?

00:05:09: Wie bist du überhaupt dazu gekommen im Haus der Wannsee-Konferenz zu arbeiten?

00:05:13: Ja, ich habe das Haus zum ersten Mal in den neunziger Jahren als Schüler tatsächlich besucht und war total fasziniert von der Arbeit dort, hab anschließend meinen Ersatzdienst damals gab es noch werflich an einer Gedenkstätte Ausland gemacht.

00:05:28: Und dann habe ich es in den Jahren Jahrzehnte, während meiner Promotion auch als freier Mitarbeiter dort Führung gemacht und irgendwie bin ich zwanzig-zwanzig dann tatsächlich ausgelandet.

00:05:37: Du hast Geschichte studiert an der Freien Universität Berlin?

00:05:40: Genau!

00:05:40: Okay, und kommst du auch aus Berlin?

00:05:42: Hörst du hier an einer Berliner Schule?

00:05:44: Genau, ich bin in Berlin geboren vom Kindergarten bis zur Universität bis zum Beruf immer in Berlin gewesen mit einer kurzen Unterbrechung Wie man vielleicht hört, komme ich nicht aus Berlin.

00:05:54: Ich bin in Wien geboren und bin da aufgewachsen, habe eine jüdische Schule besucht und anschließend in Wyn angefangen Politikwissenschaften zu studieren und bin dann allerdings mit Anfang zwanzig nach Israel gezogen und hab da fünfzehn Jahre gelebt bis ich eben vor etwa vier Jahren für die Arbeit an der Gedenkstätte nach Berlin gezogen bin.

00:06:15: Du hast in Israel bei Yad Vashem gearbeitet?

00:06:17: Genau, ich habe in Jerusalem an der Gedenkstätte Yad Va Shem in der pädagogischen Abteilung gearbeitet.

00:06:23: Wolltest du eigentlich zurückkommen nach Deutschland oder du warst ja noch nie in Deutschland?

00:06:26: Nein tatsächlich war das nicht mein Plan nach Deutschland und nach Berlin zu ziehen.

00:06:30: Mich hat aber die Arbeit am Haus der Wansekonferenz fasziniert und interessiert.

00:06:35: Ich hab dadurch auch Parallelen gesehen zu den pädagogischen Ansätzen, die ich in Yad Var Shem kennengelernt habe.

00:06:40: Und irgendwie so bin ich jetzt hier gelandet.

00:06:47: Ja, wir sitzen in einer der schönsten Willen mit dem schönsten Villengärten am Wannsee.

00:06:53: Direkt mit Blick auf das gegenüberliegende Strandbad Wannsey und man fragt sich so ein bisschen was hat das hier mit dem Holocaust zu tun oder mit der Ermordung der europäischen Juden?

00:07:03: Und der Grund ist, dass sich in two forty im Winter hochrangige Beamte des nationalsozialistischen Staates trafen um über einen Thema zu sprechen nämlich genau über diese Ermordung der europäischen Juden und Juden.

00:07:17: Unser Ort ist also in einem Täter-Ort, aber kein Tatort weil eben hier die Täter zusammengekommen sind.

00:07:25: wir sind keine Gedenkstätte im klassischen Sinne Wir sind kein ehemaliges Konzentrationslager sondern wir sind eben tatsächlich deswegen ein historischer Ort weil hier Täter und zwar eine bestimmte Version von Tätern auch schreibtisch Täter könnte man sagen die Bürokratie zusammen kommt die für diesen Massenmord auch zentral war.

00:07:44: Genau, und in diesem Zusammenhang sind wir natürlich auch ein sehr symbolischer Ort.

00:07:47: Und natürlich ist das Haus der Bahnseekonferenz auch so eng mit den Erfahrungen oder Erinnerungen der Betroffenen verknüpft.

00:07:54: Wir begreifen unsere Einrichtung primär als einen Vermittlungsraum, der darauf ausgerichtet ist unterschiedliche Zugänge zur historischen Erfahrung des Holocaust zu eröffnen.

00:08:03: Und wir möchten möglichst viele Menschen dazu einladen sich intensiv mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und eben auch deren Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren.

00:08:12: Also das Thema Amordung der europäischen Juden und Juden.

00:08:16: Aus der Perspektive der Täter, und wir zeigen viele Dokumente der Tater immer das Problem dass wir natürlich damit auch eine judenfeindliche also antisemitische Perspektiv nachvollziehen und das eben den Schülern und Schülerinnen und anderen Besuchern vermitteln.

00:08:32: Und das ist was, was wir gerade in der letzten Zeit auch versucht haben zu reflektieren und aufzunehmen.

00:08:36: wie gehen wir eigentlich damit um?

00:08:39: dass wir eigentlich Antisemitismus bekämpfen wollen und andererseits aber zum Beispiel antisemitische Bilder zeigen oder eine Sprache vorstellen, in der bestimmte Voraussetzungen schon gemacht sind.

00:08:51: Das sind alles so Themen mit denen wir uns in den letzten Jahren intensiv beschäftigt haben.

00:08:55: Genau du spielst ja darauf an das natürlich aufgrund der historischen Bedeutung des Hauses oder dieser Besprechung die im Jahr two forty-two stattgefunden hat.

00:09:03: Dass wir uns natürlich auch grunddessen mit Antisemitism auseinandersetzen müssen.

00:09:07: Allerdings lag eben der Fokus in den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Gedenkstätte, die im Jahr zwei und neunzig ins Leben gerufen wurde.

00:09:14: Ausschließlich eigentlich auf der NS-Zeit und den Holocaust und hat eben aktuelle Ausdrucksformen von Antisemitismus nicht so richtig in den Blick genommen.

00:09:22: Und auch Ansätze der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit haben nicht unbedingt zum pädagogischen Standard in der Vermittlung gehört.

00:09:29: Wir haben jetzt allerdings vor ein paar Jahren – du hast es ja angedeutet – damit angefangen uns mit gegenwärtigen Erscheinungsformen intensiver auseinanderzusetzen, durchaus auch in Reflexion unserer eigenen Arbeit und Herangehensweise.

00:09:43: Und wir haben allerdings dabei festgestellt dass auch wir nicht ausreichend sensibilisiert sind um Antisemitismus in all seinen Facetten zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

00:09:53: das heißt auch wir die an einer Gedenkstätte arbeiten und sich mit der historischen Entwicklung des Antisemitism auseinandersetzen fehlt es an manchen Stellen an Kompetenzen was den Umgang mit Antisemetismus betrifft Und aus diesem Grund haben wir uns um eine Art institutionelle Reflexion bemüht, die natürlich jeden von uns auch sehr persönlich mit einschließt und die uns dabei helfen soll, eine Haltung einzunehmen und handlungsfähig zu werden.

00:10:18: Ja, das ist für uns nicht immer ein abgeschlossener Prozess.

00:10:21: Wie heißt es so schön?

00:10:22: Zwei Schritte vorwärts – und einen zurück!

00:10:27: Wenn man sagt, dass wir so einen Reflexionsprozess angestoßen und eigene Lehrstellen bearbeitet, kann ich vielleicht konkret sagen was wir gemacht haben dass wir z.B.

00:10:37: zusammen mit einer Gruppe von Fachleuten bearbeitet haben, wie machen wir Führungen?

00:10:42: Und denken wir zum Beispiel auch daran, dass in der Berliner Schulklasse auch ein jüdischer Schüler sein kann für den natürlich die Geschichte der Wansekonferenz und die Geschichte des Ermordungs der Jüdinnen und Juden eine ganz andere Bedeutung hat als jemand, der vielleicht nicht jüdische deutsche Vorfahren hat oder der nicht-jüdische Vorfahren wo auch immer hat.

00:11:02: dass vielleicht auch mit sich bringt, wie wir über das Thema sprechen und wie wir Sachen schildern.

00:11:06: Ich denke es ist ganz wichtig!

00:11:08: Wir haben bei uns selbst angefangen und die Entwicklung dieser Podcastreihe stellt für uns einen weiteren Schritt dar um diese Arbeit der Reflexion zu vertiefen.

00:11:18: Warum haben wir uns jetzt Bildungs- und Kultureinrichtungen für diesen Podcast ausgesucht?

00:11:22: Zum Einen wollten wir diese Einrichtungen in den Fokus rücken da sehr viele Menschen aus diesem Bereich auch an die Gedenkstätte kommen und zu unseren Zielgruppen gehören.

00:11:31: Zum anderen sind aber auch Gedenkstätten Teil der Kulturlandschaft und wir haben uns ganz einfach gefragt, wie diese Themen in anderen gesellschaftlichen und institutionellen Räumen verhandelt werden die eben auf unterschiedlichen Ebenen mit uns verbunden sind.

00:11:46: Und jetzt in den vergangenen Jahren ist Antisemitismus an diesen Einrichtungen wieder verstärkt in die öffentliche Aufmerksamkeit gekommen und es gibt eben auch heftige Auseinandersetzungen darüber was ist Antisymitismus?

00:11:57: Was ist antisemitisch oder nicht?

00:11:59: Genau, wir haben für diesen Podcast der eben aus fünf Folgen besteht mit fünfzehn unterschiedlichen Menschen gesprochen und was uns dabei besonders wichtig gewesen ist dass wir die Perspektive der Betroffenen von Antisemitismus ins Zentrum rücken.

00:12:13: Warum haben wir das so gemacht?

00:12:15: Weil wir durch die Perspective der betroffenen verschiedene Aspekte besser verstehen können.

00:12:20: zum einen können wir darüber sprechen wie Antisemitismus eigentlich in Erscheinung tritt Wir können uns aber auch fragen, welche Funktionen Antisemitismus für diejenigen, die antisemitisch handeln erfüllt.

00:12:32: Und schließlich war es uns eben sehr wichtig darüber nachzudenken, welche Wirkung antisemitische Handlungen für Menschen haben können und das ist eine Perspektive, die über viele Jahre hinweg eigentlich nahezu ausgeblendet worden ist.

00:12:46: Auch wir beide haben festgestellt bei der Arbeitung unter Durchführung dieses Podcast, dass wir immer mal wieder auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Antisemitismus schauen und eben sehr unterschiedliche Erfahrungen einbringen.

00:12:59: Genau.

00:12:59: Und es ist wichtig deutlich zu machen, dass wir uns mit Antisemitismus beschäftigen wollen aber das natürlich der Umgang mit Antismetismus eine gesellschaftliche Debatte mit sehr unterschiedlichen Positionen ist.

00:13:10: also Wir werden euch jetzt durch diese fünf Folgen begleiten und in dieser ersten Episode beschäftigen wir uns im Raum Schule.

00:13:19: Ja, Schule ist natürlich ein Raum den wir alle kennengelernt haben vielleicht auch in vielen Fällen.

00:13:23: Aliten haben wo man nicht einfach weg kann wie jetzt zum Beispiel aus dem Theater oder aus dem Kino wo man sich einfach kündigen kann sondern es gibt die Schulpflicht.

00:13:33: du musst jeden Tag an diesen Ort und jeder der mal Konflikte einer Schule gehabt hat der kann sich vorstellen was in dieser Szene, die wir gerade gehört haben.

00:13:42: Was das für jemanden bedeutet?

00:13:44: Genau!

00:13:44: Wir haben jetzt natürlich von einem sehr schwerwiegenden Vorfall gehört der sich im Jahr zehntausend achtzehn ereignet hat Du hast es ja gesagt an einer renommierten West-Berliner Schule.

00:13:53: Wir haben dieses Beispiel ausgesucht um darauf aufmerksam zu machen dass es nicht nur die sogenannten Problemschulen sind an denen Antisemitismus vorkommt und gleichzeitig ist es mir aber an der Stelle auch schon wichtig deutlich zum Machen dass Antisemitismus sehr vielfältig in Erscheinung tritt und es sich nicht immer nur um extreme Formen von Gewalt handeln muss.

00:14:16: Auch wenn den von uns besprochenen Fällen, vor allem Schülerinnen und Schüler... antisemitisch sich geäußert haben oder zu Tätern geworden sind, ist es natürlich so dass in vielen Fällen auch Lehrkräfte oder Schulleitungen sich antisemitische artikulieren können und gerade auf dieser Seite einen hoher Bedarf besteht sich weiterzubilden und aufmerksam zu werden für vielleicht eigene Durchmuster.

00:14:43: Wir haben Wenzel Michalski getroffen.

00:14:45: sein Sohn hat als Jugendlicher an der Berliner Schule massiv Antisemitismus erfahren.

00:14:50: Dazu gehörten sowohl verbale als auch heftige körperliche Angriffe.

00:14:55: Er hat uns von seinen Erfahrungen erzählt und welche Auswirkungen das auf ihn und die gesamte Familie

00:15:00: hatte.".

00:15:05: Also vielleicht kann ich ein ganz kurz ausführen, warum er auf diese Schule überhaupt gegangen ist?

00:15:09: Er war auf einer Berliner privilegierten Vorortschule mit vor allem deutschen christlichen oder atheistischen Kindern.

00:15:18: also es war eine sehr homogene Gesellschaft dort Und mein Vater, der Holocaust-Überlebender ist und meine Mutter und mein jüngster Sohn.

00:15:27: Wir haben eine Reise gemacht entlang der Fluchtroute meines Vaters, wo er sich überall während der Nazizeit versteckt hatte.

00:15:36: Das hat meinen Sohn sehr beeindruckt!

00:15:39: Zur selben Zeit hatten wir einen syrischen Flüchtling bei uns aufgenommen, der sehr eindrücklich erzählt hatte wie er in Syrien gefoltert wurde... geflüchtet ist, seine Fluchterfahrung erzählt hat und seine Unterdrückungserfahrungen.

00:15:53: Das hat mein Sohn auch sehr beeindruckt und er wollte gerne in eine Schule gehen die diverser ist, die multikultureller ist wo viele andere Kinder sind, die vielleicht auch Flüchtlingserfahrung haben oder aus solchen Familien kommen.

00:16:08: und dann haben wir nach einer neuen Schule gesucht haben gehört, dass Gemeinschaftsschulen genauso das Richtige sein.

00:16:16: Prokresiv und so.

00:16:17: Das war der Wunsch meines Sons, das zu machen.

00:16:19: Und wir fanden es eigentlich auch eine gute Idee.

00:16:22: So ist er auf die Friedenauer Gemeinschaftschule gekommen.

00:16:25: Von Tag eins hat er sich unglaublich wohl da gefühlt.

00:16:37: Dann gab es im Unterricht die Frage von der Lehrerin was für Gotteshäuser kennt ihr denn?

00:16:43: Ja dann haben alle gesagt Moschee und Kirchen, Moscheee und Kirchee ... Da kam er dran und hat gesagt, Synagoge.

00:16:52: Und da war alles ganz still und die Lehrerin ... Die hat ihn angestarrt eine Weile und dann hat sie gefragt, woher weißt du das denn?

00:17:00: Woher kennst du den Synagogen?

00:17:02: Bist du etwa Jude?

00:17:04: Da hat er gesagt ja!

00:17:06: Das war das Ende seiner glücklichen Zeit dort.

00:17:09: Da haben gleich in der Pause danach seine Freunde und Freundinnen, die er da vermeintlich hatte, ihm gesagt ey Papa, das geht aber nicht.

00:17:18: Dass du Jude bist und so mit dir können wir nichts spielen, mit dir wollen wir nichts mehr zu tun

00:17:22: haben.".

00:17:22: Das haben nicht alle gesagt – aber einige!

00:17:25: Dann spitzte sich das immer mehr zu.

00:17:27: was besonders schmerzhaft war für ihn und natürlich auch für uns war dass er in der Nachbarklasse einen Freund hatte und den hat er mal in der Pause besucht.

00:17:36: Er ist ins Klassenzimmer reingegangen wie überhaupt die Kinder immer so auch in die anderen Klassenzenen reingegegangen sind in den Pausen um sich da zu treffen.

00:17:43: Und die Lehrerin hat gesagt, was machst du hier?

00:17:46: Geh hier raus und nicht zu suchen.

00:17:48: Du störst nur den

00:17:49: Frieden.".

00:17:54: In der Zeit wurden die Angriffe immer schlimmer.

00:17:56: Es wurde immer dramatischer.

00:17:57: Es fing an mit Worten ... Dann wurde eben irgendwie die Mütze vom Kopf gerissen und es ging weiter mit Schlägen.

00:18:05: Wir haben immer wieder versucht, mit der Schulleitung zu sprechen.

00:18:08: Der Direktor hat sich weggeduckt, die Schulpsychologin oder Sozialarbeiterin, die dort war Die hat gesagt, es sei kein Antisemitismus.

00:18:16: Das sei Ausdruck von Israel-Kritik.

00:18:19: also Schläge hatte so starke Schläger bekommen dass er noch Monate später blaue Flecken auf dem Rücken hatte.

00:18:25: und dann eskalierte das.

00:18:28: als die Klasse vom Sportunterricht von der Turnhalle ins Schulgebäude gegangen sind wurde er überfallen von einigen Jungs zu Boden gerissen Und sie haben eine Pistole raus geholt und haben sie ihm ins Genick gedresst und abgedrückt.

00:18:46: Das war eine täuschend echte Replika.

00:18:49: Es war nicht nur irgendwie so eine Spielzeugpistole, die auch geknallt hat und es kamen auch irgendwie was raus, so Klassikkugel oder irgend sowas.

00:18:57: Ja das waren die letzten Stunden in denen er da war.

00:19:00: wir haben ihn dann nicht mehr am nächsten Tag in die Schule gelassen Und dann endlich hat der Schullehrer uns auch gesehen.

00:19:08: Ich habe den Schuldirektor gefragt warum er nie etwas gemacht hat.

00:19:12: Da hat er sich so fadenscheinig entschuldigt und gesagt ja Das war schwierig mit diesen ganzen Kindern.

00:19:19: Wir haben ihnen doch auch angeboten, mit den Eltern von diesen Kindern zu

00:19:22: sprechen.".

00:19:23: Und dann hat er abgewunken eher der so einen grünen alternativen Idealismus vorspielte und gesagt, damit kann man nicht reden das sind doch alles nur Moslems.

00:19:34: also es kamen zu Antisemitismus auch noch Rassismus dazu.

00:19:39: Er hat wenig Zeit als Schuldirektor und außerdem sei er auf verschiedenen Seminaren gewesen, Anti-Rassismusseminar.

00:19:50: Die beiden Klassenlehrerinnen haben sich wirklich sehr gut genommen.

00:19:53: Also die haben immer versucht ihn zu beschützen.

00:19:56: Eine der beiden Klessenlehrern von meinem Sohn war dabei.

00:20:00: Als das Gespräch vorbei war ist sie mit uns rausgegangen und da hat sie uns mit drehenden Augen gesagt es ist die richtige Entscheidung Sie müssen das Kind runternehmen Sie und ihre Kolleginnen auch danach gekündigt haben.

00:20:13: Und auf eine andere Schule gegangen sind, das ist ja kein leichter Schritt für ein Lehrer.

00:20:18: Ich glaube die haben sogar die Stadt verlassen in das Bundesland.

00:20:21: Danach spielten sich noch einige unschöne Szenen ab.

00:20:24: Die Eltern hatten sich beschwert über uns dass wir den Ruf der Schule schädigen würden weil wir an die Medien gegangen sind.

00:20:32: Wir sind deswegen an die Medien gegangen nicht aus Rache sondern weil wir es als einzigen Weg sahen um irgendwie Veränderungen herbeizuführen.

00:20:46: Und du hattest ja gesagt, es war jetzt ein Wunsch an die Schule zu kommen.

00:20:50: Das heißt ihr hattet als Eltern auch keinerlei Befürchtungen oder Sorgen?

00:20:53: Also seid ihr wirklich ganz offen rein?

00:20:56: Ja im Nachhinein naiv aber damals ja ganz offen.

00:21:00: Zwei-tausendfünfzehn, sechzehn war die Stimmung in Deutschland sehr offen.

00:21:05: und wir waren auch in dieser offenen Stimmung.

00:21:08: ich war damals bei Human Rights Watch.

00:21:10: das passte alles irgendwie in dieses Bild.

00:21:12: Ich muss sagen selbstkritisch.

00:21:14: Wir waren da sehr blauäugig.

00:21:18: Als Kind war er auf der Heinz-Galinsky und so weiter, also auf der jüdischen Grundschule.

00:21:23: Und da hat man schon überlegt... ...und dann soll er dann wie viele jüdische Kinder eben aufs Moses Mendelssohn-Gymnasium wechseln.

00:21:30: Aber wir empfanden es damals als nicht richtig sich sozusagen selber zu getuisieren.

00:21:39: die Erfahrungen, die wir da gemacht haben.. ..und auch das Versagen der Lehrer und der zuständigen Politiker.

00:21:46: Ja, da war es irgendwie ganz klar, dass nur noch eine jüdische Schule in Frage kommt.

00:21:51: Und wenn mich heute Eltern fragen, jüdischen Eltern mit jüdischem Kindern was sollen sie machen?

00:21:57: Da würde ich denen immer raten, nur auf eine jüdische Schule zu gehen oder auf einer sehr geschützte behütete internationale Privatschule wo die wissen wie Sie damit umgehen sollen Mit internationalen Lehrern, die richtig gut ausgebildet sind.

00:22:10: aber auf irgendeine deutsche Schule kann ich nur abraten Wenn man durch solche Krisen geht und gemeinsam erfährt, dass es eben keine Einzelfälle sind sondern das geht weiter.

00:22:27: Also der siebte Oktober war jetzt eine viel viel schreckliche Fortsetzung von dem was wir vorher erlebt hatten.

00:22:34: Ja, das hat uns eigentlich bestärkt in unserer Identität In unser Resilienz Und aber auch das Bild geprägt was wir von unserem Welt haben.

00:22:45: Das ist eigentlich nicht schön Aber so sieht für uns die Realität aus.

00:22:53: Fühlt ihr euch dann hier überhaupt noch zu Hause?

00:22:57: Also ich sage mal, ich bin der Einzige, den auch in Deutschland ist.

00:23:00: Alle anderen sind weg.

00:23:01: Die leben alle London aber da ist natürlich auch fürchterlich zum Teil... ...aber Stadt bietet viel mehr Möglichkeiten.

00:23:09: also wenn man sich davor allem im West Hamstedt und Golders Green und sowas rumtreibt sie sehr jüdisch geprägt sind, die fühlen sich da sehr wohl.

00:23:18: Ich glaube auch, sie werden nicht einfach so ihre Wurzeln dort einschlagen.

00:23:24: Sondern so wie wir in den letzten Jahren in der Familie gesprochen haben und uns überlegt haben was machen wir jetzt?

00:23:31: Wie leben wir weiter?

00:23:34: ist es schon so dass wir uns internationalisiert haben also emotional und auch intellektuell sodass wir ja wie vor vielen hundert Jahren The Wandering Jew durch die Welt ziehen, gedanklich.

00:23:47: Wir sind in Berlin und London aber wir können es vorstellen überall woanders auch zu sein.

00:23:53: also das ist das Gefühl von ich bin Teil der deutschen Kultur oder sowas ist wahrscheinlich so ja und Teil der europäischen Kultur Aber dem nicht nachzu weinen nicht nachzuhängen.

00:24:05: Also dieser Spruch Die Koffer sind gepackt Ja die Koffers sind gepakten sie stehen auch griffbereit.

00:24:23: Ja ich finde man denkt ja sehr schnell an seiner eigene Schulzeit oder an seine eigenen Kinder.

00:24:28: Und ich musste an einer Stelle, wo Wenzel Michalske gesagt hat von einer deutschen Schule kann ich nur abraten, da musste ich an eine Situation vor ein paar Tagen an mein eigenes Kind denken.

00:24:40: Meine Tochter wurde nämlich von einer Freundin... meine Tochter ist in einer jüdischen Schule und wurde vor deiner Freundin, die an einer nicht-wütischen Schule ist gefragt warum sie denn nicht in einer ganz normalen Schule ist.

00:24:53: Was ich auch natürlich interessant war dieses Bild von was ist überhaupt normal?

00:24:56: Und meine Tochter war dann aber sehr schlagfertig und hat gemeint nein!

00:25:02: Ich will nur auf eine jüdische Schule, ich will auf keine deutsche Schule auf gar keinen Fall.

00:25:07: und da frage ich mich natürlich ja warum warum das für sie so klar ist und mit welchen Erfahrungen oder Gefühlen sie das verbindet.

00:25:18: Ja, und warum scheinbar der Eindruck bei ihr hängen geblieben ist, die wäre an einer nicht-dyrischen Schule nicht sicher.

00:25:26: Und ich glaube dieser Punkt von Wenzel steigt ja ein – mit dem Satz von Tag eins hat sich sein Sohn wohlgefühlt in der Schule und es endet dann letztlich mit, sodass waren dann die letzten Stunden, die er hier verbracht hat.

00:25:40: Tatsächlich hatte ich den Impuls von Wenzel Michalsken auch von dem Sohn total nachvollziehen und finde es ist enorm sympathisch, dass man sagt wir wollen uns nicht getuisieren sondern alle sollten auf die gleiche Schule gehen.

00:25:52: Ich habe auch wirklich Probleme mit diesem dreigliederigen Schulsystem was noch aus dem Kaiserreich stammt und wo sich ja im Prinzip die Reichen irgendwie so von den anderen irgendwie abspalten.

00:26:05: das finde ich generell ein Problem am deutschen Schulsysteme natürlich.

00:26:12: Also sinnvoll wäre, wenn alle gemeinsam auf die Schulen gehen.

00:26:17: Aber natürlich in der Realität ist es ja so dass alle Eltern und sobald es darum geht das ihre Kinder auf die Schule kommen dann sagen kann ich mein Kind auf diese Schule schicken, dass das vielleicht dann doch nicht der Umgang den ich haben will usw.

00:26:32: Ich meine dann verweise auch das Kaiserreicher.

00:26:34: der mag ja richtig sein aber dass es überhaupt so etwas wie ein jüdisches Bildungswesen gegeben hat, hängt ja sehr stark mit der Frage zusammen das für lange Zeit Jüdinnen und Juden an nicht-jüdischen Schulen gar nicht zugelassen gewesen sind.

00:26:48: Das heißt sie mussten sich ja sozusagen ein eigenes Bildungs-Wesen, eigene Bildungseinrichtungen gründen um überhaupt etwas lernen zu können.

00:26:56: Wir sehen hier ja mehrere Dinge und vielleicht nochmal unseren Cold Open in Erinnerung zu rufen, das eben natürlich Antisemitismus an nahezu allen Schulen wahrscheinlich passiert und stattfindet, egal sozusagen um welche Schulform es sich handelt.

00:27:08: Ich finde was wir jetzt gut an dem gesehen haben was Menzel Michalske uns erzählt hat also er hat das ja sehr eindrücklich beschrieben ist fing mit Worten an bis hin eben dann zu diesen physischen Attacken.

00:27:19: also ich finde hier kommt sehr gut durch oder wird sehr klar dass eben Antisemitismus sich auf so vielfältige Art und Weise zeigen kann.

00:27:28: und der andere Punkt auf den du jetzt ja auch eingegangen bist, ist natürlich diese Frage nach okay warum wurde das nicht gesehen?

00:27:35: Warum wurde es nicht ernst genommen?

00:27:37: Ja.

00:27:37: Warum haben manche Lehrkräfte oder eben vor allem die Schulleitung Antisemitismus relativiert oder bagatellisiert zugehört?

00:27:45: der Punkt mit der es ja nur Kritik an Israel und kein Antisemitism.

00:27:51: also diese Schulleitung verhält sich zum einen rassistisch dann in weiterer Folge will keinen Antisemitismus erkennen und auch nichts dagegen machen.

00:28:00: Also sich verweigert natürlich hier der betroffenen Person, nämlich dem Sohn von Wenzel Michalski ganz klar die Hilfe und die Unterstützung, die es vielleicht gebraucht hätte um an dieser Schule bleiben zu können.

00:28:12: Und ich finde was dieses Beispiel sehr gut zeigt ist dass Antisemitism letztlich nicht nur ein Problem der Schüler ist sondern genauso ein Problem und auch der Eltern.

00:28:25: Also dieser Verweis auf, okay die Eltern beschweren sich dann dass Menzel Michalske in seine Familie an die Öffentlichkeit gegangen sind.

00:28:32: also daran zeigt sich ja auch eigentlich wieder das Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen.

00:28:40: zu verstehen ist, dass all diese Perspektiven eigentlich auch im Blick genommen und bearbeitet werden müssen.

00:28:46: Ich meine, Schulen sind kein diskriminierungsfreier Raum und werden das auch niemals sein.

00:28:50: Also auch Sexismus, Homophobie, Rassismus sind natürlich Dinge die tagtäglich an Schulen passieren.

00:28:58: aber in diesem Fall hat man schon so ein bisschen den Eindruck... dass da überhaupt geleugnet wurde, dass da ein antisemitisches Vorurteil überhaupt dahinter stehen könnte hinter diesen ja auch extremen Angriffen.

00:29:10: Also ich weiß nicht wie es ansonsten an der Schule aussieht aber ich hoffe doch das körperliche Angriffe bei denen Leute also blaue Flecke davon tragen die also nach Monaten zu sehen sind nicht zum Alltag gehören.

00:29:26: Nach dem Gespräch mit Wenzel Michalske haben wir uns natürlich auch gefragt, wie so der Alltag an Berliner Schulen heute aussieht.

00:29:33: Insbesondere nach dem siebten Oktober und aus diesem Grund haben wir mit zwei weiteren Personen gesprochen die uns einen Einblick in ihre Arbeit und ihren Schulalltag gegeben haben und so haben wir eben auch versucht an diese mythische Gewaltpraxis an Schulen besser zu verstehen.

00:29:49: Wir haben zunächst einmal mit Mehmet Şan gesprochen.

00:29:52: Mehmet Şan ist Lehrer an der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Uitli in Berlin-Neukölln.

00:29:57: Er hat Geschichte und Sozialwissenschaften studiert, und bevor er als Lehrer an einer Schule gearbeitet hat war er viele Jahre lang in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit tätig.

00:30:10: Ja, Schule ist tatsächlich ein ganz interessanter Kosmos.

00:30:13: Einerseits ist er rechts da und bis ins kleinste durchreglementiertes gibt das Schulgesetz.

00:30:19: es gibt Verordnung für alles mögliche Vorschriften.

00:30:23: Das ist auch notwendig, weil dort wo viele Menschen zusammenkommen muss das Leben auch entsprechend geordnet und geregelt werden.

00:30:30: Und obwohl das so geregkelt bis ins kleinste Detail ist es trotzdem so dass es unglaublich dynamisch ist, weil man kann diese Verordnung natürlich machen aber wenn man die Rechnung nicht mit den Leuten macht mit denen Schule letztendlich zu tun hat nämlich in dem Fall jungen Menschen dann unterschätzt man eigentlich, wie dynamisch dieser Organismus ist und mit welcher hohen sozialen Interaktionsdichte diese Organismus daherkommt.

00:30:53: Das ist natürlich das was die Kolleginnen und mich auch fordert aber dass es auch das spannend so also kaum ein Tag ist im guten wie im schlechten sowie der tag zuvor Und das bringt natürlich eine unglaubliche Abwechslung, unglaubliche Dynamik und auch eine Spannung rein.

00:31:09: Wir haben außerdem mit Philipp Eberhardt gesprochen.

00:31:11: Er ist Lehrer für Politikgeschichte und Deutsch an einem Berliner Gymnasium in Charlottenburg, dem Schiller-Gymnasium sowie Fachbereichsleiter für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer.

00:31:22: Ich bin Beamter also ich habe einerseits natürlich durch die Verfassung, durch das Grundgesetz vorgegebenen Auftrag und setze mich dafür ein die freiheitlich demokratische Grundordnung zu schützen und die damit verbundenen Werte auch meinen SchülerInnen zu vermitteln.

00:31:36: und das sehe ich gerade als Politikgeschichtslehrer natürlich als mein Auftrag.

00:31:39: Gleichzeitig habe ich eine individuelle Verantwortung für das, mit dem die Schülerinnen da kommen.

00:31:44: Das ist ein pädagogischer Kontext in dem ich tätig bin.

00:31:48: Ich hab ne Verantwortung den SchülerInnen einen Raum zu geben wo sie ihre Emotionen äußern können und ihre Sorgen äußeren können Und der Versuch von Schule ist glaube ich das in Einklang zu bringen also vom ganz großen gedacht was es ist Der Bildungsauftrag von Schule und dann gleichzeitig der pädagogische Auftrag SchülerInne Raum zugeben wo Sie sich sicher fühlen wo sie ihre Sorgen und Ängste äußern können, aber gleichzeitig natürlich diese auch einzuordnen.

00:32:14: Wenn wir mit Jan lange in der außer-schulischen Bildungsarbeit tätig war und viele Jahre zum Thema Antisemitismus gearbeitet hat, wollten wir von ihm wissen seit wann Antisemitism an Schulen überhaupt thematisiert wird?

00:32:30: Also ich kann diese Frage vielleicht nicht empirisch beantworten, dabei wenn ich das aus meiner eigenen Biografie beantwortet sollte, kann ich feststellen dass die Auseinandersetzung mit Antisematismus auch zu meiner Schulzeit ein Thema war.

00:32:41: Diese Debatte hat sich dann auch durchaus, würde ich sagen in der außerschulischen Bildungsarbeit eher widerspiegelt als im schulischen Alltag.

00:32:49: Es waren vor allen Dingen Träger aus der schulische Bildungsarbeit die hier... gezielt antisemitismuskritisches Material entwickelt haben.

00:32:56: Und diesmal auch verstärkt den Fokus auf die Funktionen von Antisemitismus und Antisemitism nicht mehr nur als ein Phänomen, dass man unter Rassismus subsumieren könne – auch wenn es natürlich Gemeinsamkeiten zwischen Antisemitismus und Rassismus gibt!

00:33:12: Ich habe mein Referendariat hier in Berlin nach langen Jahren der Außerschulischen Bildungsarbeit dann im Jahr zwölf begonnen.

00:33:18: Damals war das Noch nicht wirklich ein Thema, mittlerweile ist es schon weiter vorangeschritten sowohl in der Lehrkräfte aus als auch Fortbildung.

00:33:26: Wahrscheinlich wird eine Ursache dafür auch gewesen sein dass wir hier in Berlin einige Fälle hatten die bundesweit auch medial für Aufmerksamkeit gesorgt haben und das hat glaube ich die Notwendigkeit nochmal verstärkt sich diesem Thema entsprechend anzunehmen.

00:33:40: Und mittlerweile kann man sagen, dass Antisemitismus zwar wahrscheinlich immer noch nicht in der Weise thematisiert wird wie sollte aber deutlich angemessener und umfangreicher, als ich sie in meiner Schulzeit oder in meiner Zeit des Referendriats erlebt habe.

00:33:55: Das hat glaube ich tatsächlich für eine große Herausforderung gesorgt, dass dieses Verständnis von Antisemitismus als etwas Überwundenes und als etwas was man nur im Kontext des Nationalsozialismus gesehen hat plötzlich nicht mehr geholfen hat für die Auseinandersetzung zum Beispiel mit einem Israel bezogenen Antisemitismus.

00:34:13: Was ja die Kernelemente des Antisemitismes beinhaltet, nur jetzt auf Israel entsprechend projiziert oder man war nicht gewappnet um mit einem zunehmenden Postshoah-Antisemitismus einen Umgang zu finden also ein Antisematismus der sich aus Erinnerungsabwehr speist.

00:34:28: ich meine mit dem Zunehmenden erstarken rechtspopulistischer Bewegung in Deutschland ist das zunehmt auch ein Problem gewesen.

00:34:36: Und eine Sache auch, dass der Zusammenhang zwischen Verschwörungserzählungen und Antisemitismus ja für viele dann in der Form überraschen war.

00:34:44: Und es hierfür keine Antworten

00:34:46: gab.".

00:34:50: Ja, Mehmet John erwähnt hier einen Aspekt, der glaube ich auch für die Arbeit an einer Gedenkstätte natürlich extrem relevant ist – nämlich dieses Engel... Verständnis oder diese Verknüpfung, dass Antisemitismus etwas ist was überwunden wäre das in der Vergangenheit liegt.

00:35:08: Dass nur mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zusammenzubringen ist.

00:35:13: also das bringt er hier finde ich an dieser Stelle auch noch mal sehr gut auf den Punkt.

00:35:17: Also das zeigt sich ja auch in unserer Arbeit so oft als Problem mehr, dass wenn wir den Vernichtungsantisemitismus während des Nationalsozialismus als Referenzrahmen nehmen dann erscheint halt jede andere Form von Antisemitismus als weniger schlimm.

00:35:32: Und das ist ja glaube ich das worauf Mehmet Şan hier unter anderem auch hinaus will er.

00:35:37: Nun ist Mehmet Çan seit vielen Jahren Lehrer am Campus Rütli in Berlin-Neukölln und uns hat natürlich auch interessiert etwas über diese Schule zu erfahren.

00:35:47: Bei uns lernen in etwa tausend Schülerinnen circa achtzig Prozent unserer SchülerInnen, in der Sekundarstufe eins und zwei werden der Kategorie nicht deutscher Familiensprache zugeordnet.

00:36:01: Und von diesem wiederum teilen fünfzig Prozent wenn man so will einen arabischen Hintergrund die neben vielen anderen Herkünften letztendlich unsere Schülerinnenschaft ausmachen.

00:36:14: Und gleichermaßen ist unsere Schule natürlich auch betroffen von dem Wandel, den Neukölln erfährt.

00:36:19: Das sind unglaublich viele kreative Menschen die nach Neu-Kölln kommen.

00:36:22: Viele Bildungsbürgerinnen, die auch ihre Kinder bei uns in die Schule schicken.

00:36:26: und meine ehemalige Schulleiterin pflegt immer zu sagen dass sie so zwischen Halal und Bio sich hin und her bewegen muss.

00:36:32: das tritts glaube ich ganz gut!

00:36:35: Und auch Philipp Eberhardt hat uns seine Schule in Berlin Charlottenburg vorgestellt ein Gymnasium mit einer doch etwas anderen Schülerschaft.

00:36:42: Ich finde, das ist was Besonderes.

00:36:44: Dass unsere Schülerinschaft an der Grenze zu Moabid ans Reuterplatz einfach so ist wie Berlin ist.

00:36:49: also viele verschiedene kulturelle Backgrounds, viele verschiedene Sprachen die bei uns gesprochen werden.

00:36:55: wir sind außerdem eine staatliche Europaschule mit der Partnersprache Englisch.

00:36:59: Das bringt noch mal ne ganz andere Formen der Internationalisierung auch Mit sich dass die Hälfte der Schülern schafft den Bilingo allen Zweig der Schule besucht.

00:37:08: Die Schulatmosphäre ist freundlich, also ich würde sagen wenn man unsere Schule betritt dann hat man so ein warmes Gefühl.

00:37:15: Das ist hektisch und man hört viele verschiedene Sprachen.

00:37:18: Es ist ein imposantes Gebäude Und ich würd sagen man fühlt sich wohl weil man spürt da passiert ganz viel.

00:37:25: Und dann wollten wir von Mehmet Jan der sich ja schon lange mit Antisemitismus im schulischen Kontext beschäftigt hat wissen wie sich Antisemitism in Berliner Schulen äußert.

00:37:36: An Schule finden wir letztendlich alle Erscheinungsformen des Antisemitismus, die wir auch in der Gesellschaft finden.

00:37:41: Man muss aber betonen, dass wir es hier mit Jugendlichen zu tun haben – das sage ich nicht ums zu relativieren, sondern auf einen Punkt hinzuweisen nämlich, dass sie hier nicht mit ausformulierten Antisemitinnen und Antisimiten zu tun hat.

00:37:51: Das ist wichtig fürs Verständnis unserer Arbeit, weil wenn wir es mit aus formulierten Anti-Semitinnen und Anti-Simiten zu tun hätten wäre Bildungsarbeit aussichtslos, da müssten andere Organe dafür greifen.

00:38:03: Es sind in erster Linie klassische antisemitische Vorstellungen, die präsent sind.

00:38:08: Also die Vorstellung einer gewissen und angeblichen jüdischen Andersartigkeit der Vorstellung der jüdischem Macht und der jüdischen Geristenheit.

00:38:16: Das merkt man zum Beispiel in Vorstellung, wonach Juden reich sein und diese Tatsache kommt als Vorwurf daher?

00:38:24: Während man nämlich gar kein Problem damit hat das z.B.

00:38:27: prominente und Fußballer Reich sind und ihnen nacheifert, hat man das Problem wenn man sagt Juden seien reich.

00:38:34: Dass hier unterstellt wird.

00:38:35: sie haben diesen Reichtum, diesen angeblichen Reichtums mit irgendeiner Gerissenheit letztendlich erlangt.

00:38:42: Der israelbezogene Antisemitismus ist würde ich sagen die virulenteste Form Allgemein gesellschaftlich, da muss ich gar nicht auf unsere SchülerInnen schauen.

00:38:50: Ich glaube die letzten Umfragen zeigen das ... Die letzten Umfangs, die mir bekannt sind.

00:38:56: Vierzig Prozent der Befragten in Deutschland, dass Israel das mit den Palästinenser-Innen machen würde was die Nazis mit den Juden gemacht haben ein sehr deutliches Kennzeichen von Antisemitismus.

00:39:07: Das ist ein Stereotyp, was sich auch im schulischen Alltag findet.

00:39:11: Wir sehen hier, dass Antisemitism sich eben nicht anders zeigt im Raum Schule als in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

00:39:18: Aber die Frage ist natürlich, welche Möglichkeiten es institutionell an Schulen gibt um das Thema aufzugreifen und um dem in irgendeiner Form entgegenzuwerten?

00:39:29: Das ist ja letztlich das was uns auch ... pädagogisch interessiert und Philipp Eberhardt hat es ja vorhin auch ganz gut eingeleitet, indem er gesagt hat naja die Strukturschule, die Institution Schule bietet natürlich zahlreiche Möglichkeiten um sich dem anzunähern.

00:39:45: Und zu widmen gerade weil man unglaublich lange also viele Jahre, viele Stunden viel Zeit an Schulen verbringt und man auch die Möglichkeit hat als Lehrkraft sehr eng und sehr lange mit den Jugendlichen zusammenzuarbeiten.

00:40:07: Mit dem siebten Oktober hat sich die... Offensichtliche Relevanz des Themas Antisemitismus für Schule verändert, würde ich sagen.

00:40:15: Weil Antisemetismus, glaube ich zunehmend zu einem Synonym geworden ist nach Ostkonflikt beziehungsweise nach Ost-Konflikt als Ursache einfach so viel Präsentter war oder so viel präsenter geworden ist für uns in Schule weil die Betroffenheit einfach so hoch ist für Schülerinnen und Schüler.

00:40:33: Und ich glaube da gibt es verschiedene Ebenen von Betroffenheiten.

00:40:36: Es gibt einfach Schülerin und Schüler, die eine familiäre Verbindung haben – sei es nach Israel oder in den Gaza-Streifen.

00:40:43: Aber es gibt einfach auch viele Schüler, in denen Solidarität mit den Opfern aus Konflikts insbesondere eben seit Jahrzehnten spüren.

00:40:52: Und ich glaube, dass in der Auseinandersetzung mit diesem Konflikt Antisemitismus spürbar

00:40:56: wird.".

00:41:01: Der siebte Oktober war ja, wenn ich mir nicht irre.

00:41:03: Ein Samstag und Sonntag konnte ich schon in den Statusmeldungen einiger Schülerinnen bei mir in der Klasse waren schon sehen, in welche Richtung die Argumentation gehen wird wie dieser siebten Oktober wahrgenommen wird.

00:41:15: also das muss man ja nochmal betonen.

00:41:16: Der siebte Oktober mit knapp ein tausend zweihundert Tonen, die brutal ermordet und massakriert worden sind eine Tat des größtes Verbrechen an Jüdinnen und Juden nach der Shoah wurde allerdings anders wahrgenommen.

00:41:30: Idealtypisch konnte man das wahrnehmen an einem Post, dass mehrfach geteilt wurde.

00:41:35: Wie zum Beispiel die palästinensische Flagge gehisst wurde ähnlich wie es diese bekannte Kriegsfotografie US-amerikanischer Soldaten auf Iwo Jima zeigt.

00:41:45: Das heißt dieser siebte Oktober wurde eher zu einer Verteidigungstat verklärt und das ist jetzt auch kein Narrativ, das ja nur auf neuen Klässlerinnen am Campus Rütli mit palästenensischem Hintergrund begrenzt ist wenn Prominente Bedeutsame Intellektuelle wie Judith Butler, ja auch wirklich sich schwer tut das entsprechend zu benennen und von Widerstand gesprochen hat.

00:42:08: meines Wissens nach.

00:42:10: Arbeitte ich mich jetzt nicht an acht neun oder zehn Klästern ab.

00:42:13: trotzdem waren das die Bilder mit denen diese Kinder sehr wahrscheinlich dann in die Schule kommen sollten.

00:42:20: wir haben uns am Wochenende im Leitungsteam der Schule entsprechend abgesprochen und vereinbart dass wir Vor der ersten Stunde am Montag eine außerordentliche Dienstberatung einführen und das gemeinsam besprechen, wie wir jetzt vorgehen.

00:42:35: Und diese Dienstberation war auch sehr gut besucht und eine Entscheidung war dass wir um zehn Uhr morgens an diesem Tag eine Schweigeminute anbieten für alle Opfer des Konfliktes.

00:42:48: Ich muss im Moment nachdenken finde dieser Entscheidung die wir getroffen haben aber sinnvoll und nachvollziehbar und auch richtig.

00:42:56: Und trotzdem kann ich verstehen, wenn man irritiert ist.

00:42:59: Warum?

00:43:00: An einem Tag, dass das größte Massaker an Jüdinnen und Juden nach dem Holocaust darstellt eine Schweigeminute für alle Opfer des Auskonfliktes bzw.

00:43:11: des israelisch-polizistischen Konfliktes abhält?

00:43:15: Der Grund ist ein ganz pragmatischer und praktischer gewesen.

00:43:19: Wir bieten durchaus zu verschiedensten Anlässen Schweigeminuten an um an politischen Ereignissen auch entsprechend teilzunehmen.

00:43:27: Was es aber bisher nicht gab, trotz dieser langjährigen Auseinandersetzung mit dem Konflikt, dass wir keine Schweigeminute gemacht haben die im Kontext des Naoskonfliktes standen und da war ganz klar natürlich auch mit Abwehr von Schülerinnen zu rechnen warum wir... An diesem Tag der ja für sie nicht assoziiert ist mit dem größten Massaker in Julien und Juden nach dem Zweiten Weltkrieg nun eine Schweigemut durchführen Und deswegen diese Entscheidung beiden Gruppen zu gedenken.

00:43:55: Trotzdem war es natürlich nicht in allen Klassen möglich, diese Schweigeminute abzuhalten.

00:44:00: Je jünger desto schwieriger würde ich das auf eine Formel bringen.

00:44:04: In meinem Geschichtselker habe ich die Schweigminute durchgeführt und selbst die Schülerinnen, die dann in der Diskussion deutlich eher dieses Verteidigungsnarrativ-Widerstandsnarrativ hochgehalten haben, haben diese Schweighinute.

00:44:18: nicht gestört.

00:44:19: Anders war es allerdings in der Sekundarstufe eins, wo diese Schüler mit einer unglaublichen Emotionalität und einer wie ich schon sagen muss Unfähigkeit zu trauern an dem Tag zumindest in der Schule waren und sehr aufgewühlt, wo es deswegen nicht in allen Klassen möglich war dieses Schweigeminute

00:44:36: durchzuführen.".

00:44:41: Ich fand das enorm beeindruckend dass die Schule unmittelbar auf den siebten Oktober reagiert hat mit einer Schweigeminute und auch, dass uns Mehmet Can einen Einblick gegeben hat da.

00:44:53: Wie schwierig das war diese Schweigeminute teilweise durchzuführen?

00:44:58: Und ich glaube es gibt ein Eindruck davon wie die Situation teilweise in Berlin unmittelbar nach diesem Massaker gewesen ist.

00:45:09: Ja, das finde ich auch ganz interessant hier nochmal zu hören, dass die Lehrkräfte nicht gewartet haben.

00:45:16: Was passiert jetzt am... Also das gibt Oktober Bayern Samstag?

00:45:20: Was passiert am neunten Oktober am Montag wenn wir wieder in die Schule gehen?

00:45:23: sondern dass sie sich einfach schon an dem Wochenende ausgetauscht haben darüber, was passieren kann.

00:45:28: Welche Narrative es mitunter vielleicht auch geben könnte.

00:45:31: Mehmet Şan spricht das ja hier auch an.

00:45:33: also dieses Narrativ dass der Angriff der Hamas als Akt des Widerstands interpretiert und gesehen wird oder auch gefeiert wird.

00:45:41: und hier schon zu überlegen okay was können wir jetzt überhaupt machen um das irgendwie gerade zurück?

00:45:46: oder wie sieht unsere Erhaltung dazu aus?

00:45:49: Und welche Vermittlungsschritte braucht es jetzt an der Schule?

00:45:52: Ja und ich hatte auch den Eindruck unserem Bereich viele Gedenkstätten auch eine Schwierigkeit hatten, damit umzugehen und sich überhaupt zu äußern.

00:46:03: Und dass dieses Schweigen unmittelbar nach dem siebten Oktober sehr, sehr charakteristisch war für die Reaktion von vielen Institutionen, die dann vielleicht irgendwie dachten, oh ja wir sollten uns nicht äußeren oder sind wie eigentlich die richtigen, um das zu tun?

00:46:19: Und dann gar nichts gemacht haben was in der Nachbetrachtung Schmerzliche Unterlassung ist.

00:46:25: und insofern finde ich das um so bemerkungswärter, dass es im Rütli Campus ganz anders gemacht wurde.

00:46:31: Also ich muss zugeben, dass bei mir diese Schweigeminute tatsächlich Irritationen hervorruft aber Mehmet Şan beschreibt das ja auch sozusagen als Dilemma und als Herausforderung.

00:46:47: warum führt das zur Irritierung.

00:46:49: ein oder zwei Tage nach dem größten an Jüdinnen und Juden verübten Massaker den siebten Oktober als siebte Oktober nicht stehen lassen zu können und ihn sozusagen gleich in einem größeren Zusammen- oder Kontext zu sehen, hat natürlich auch was man problematisieren muss an der anderen Stelle.

00:47:06: Also das beinhaltet ja schon auch dass man dabei nicht stehenbleiben kann sondern natürlich auch mit den Schülerinnen und Schülern weiter sprechen muss.

00:47:16: Dass der siebde Oktober Zwarzig-Dreinzwanzig eine Zäsur für antisemitische Vorfälle an Schulen sind, belegt auch die Dokumentation der Recherche und Informationsstelle Antisemitismus kurz RIAs.

00:47:30: Die bundesweit für das Jahr zwanzigvierundzwanzigt zweihundert vierundachtzig antisemitischen Vorfällen an Schulen dokumentiert hat.

00:47:38: zum Vergleich.

00:47:39: Zwanzigzweihnzwanziger lag die Zahl bei sechsen.

00:47:41: Achtzig ist also ein enormer Anstieg im Vergleich zum Jahr vor dem siebten Oktober, zwanzig dreiundzwanzig.

00:47:50: Ja auch an der Schule von Philipp Eberhardt hat man sich darum bemüht Austauschräume zu schaffen und so sahen die am Schiller Gymnasium aus.

00:47:59: Nach dem siebten Oktober haben wir zum Beispiel in der zweiten großen Pause Gesprächsräume aufgemacht, wo immer eine Politiklerkraft unserer Schule ansprechbar war vor Ort und mit den Schülern so ein bisschen ausgewertet hat.

00:48:11: Was die konsumiert haben, was sie mitbekommen haben, weil das einfach ein Thema war, was alle beschäftigt hat, was in der Schule einfach das Thema war – und auf jeden Fall wenn Schüler in das Offenteil in einem geschützten Raum sein muss, finde ich.

00:48:26: Dann sind dann natürlich problematische Aussagen auch zu vernehmen gewesen.

00:48:30: Und ich glaube, dass Antisemitismus betrifft ja die gesamte Gesellschaft also wäre es komisch wenn das nicht auch Schule betreffen würde.

00:48:36: und ich glaube was dann aber wichtig ist, dass wir aktiv geworden sind.

00:48:39: Also dass Schule dann das nicht einfach im Raum stehen lässt sondern das lehrkräfte Haltung zeigen, dass sie sich sicher fühlen und das auch als ihre Rolle verstehen das Einzuordnen zu benennen was gesagt wird was problematisch ist und gleichzeitig aber auch keine Dämonisierung von Schülerinnen zu betreiben.

00:48:57: Ich finde es interessant bei beiden Schilderungen, dass vor allem die Schülerinnen und Schüler im Fokus stehen – das ist vielleicht auch nicht so überraschend, weil wir ja mit zwei Lehrern gesprochen haben -, aber dass die Diskussion bei den Lehrern selber eigentlich nicht thematisiert wird, pädagogischen Kräfte geschützt werden sollen, aber ich glaube so aus unserer Perspektive wir sind ja außerhalb der Schule.

00:49:24: Wir müssen dann nicht so eine Rücksicht nehmen ist es natürlich so dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem und deshalb betrifft das eben nicht nur Schülerinnen und Schüler die vielleicht sagen manchmal ein bisschen ungefiltert da Sagen Aber es würde ich nicht mal absolut setzen sondern eben auch genauso von Lehrerinnen und Lehrern unterziehen Genau, aber das sagt Herr Philipp Eberhardt.

00:49:43: Dass auch Lehrkräfte Haltung zeigen müssen und dass sie in die Lage versetzt werden müssen an diese mythische Handlungen oder Aussagen als solche auch einzuordnen und zu erkennen und sich dann noch zu überlegen okay was mache ich jetzt damit?

00:49:58: Und aus diesem Grund haben wir auch konkret nachgefragt ja... Was bedeutet es jetzt Haltungzeigen für Schulleitungen, für Lehrkräften oder für Erzieherinnen?

00:50:07: und was muss eigentlich passieren um zu einer Haltung zu gelangen.

00:50:12: Wir haben uns Expertise von außerschulischen Trägern ins Haus geholt, um Unsicherheiten vor allen Dingen erst mal zu adressieren die würde ich sagen vor allen dingen bei Lehrkräften die nicht Politik und Geschichte Unterrichten vorhanden waren denn Antisemitismus ist ja jetzt nichts.

00:50:27: oder auch Spannung rund um das Konflikt sind nichts was nur im Politik- und Geschichtsunterricht auftaucht sondern was ja auch für eine Klassenleitung, die Mathe und Deutschlehrerin ist relevant ist.

00:50:38: Weil wenn da Konflikte entstehen, wenn der Äußerung fallen ist es ja wichtig dass diese Person auch eine Sicherheit hat zu erkennen.

00:50:46: hey ist das jetzt ne problematische Aussage?

00:50:48: Ist das ne Bezogene auf den Naostkonflikt?

00:50:50: Eine legitime Kritik an der israelischen Regierung?

00:50:53: oder ist das eigentlich in Form von Antisemitismus?

00:50:57: Gespüren, dass dieses Thema na Ostkonflekt einfach die Schülerinnen ganz stark bewegt Und haben einen Wahlpflichtkurs in Klasse zehn etabliert, nahe Osten.

00:51:06: Wo wir uns mit Geschichte und Politik des Nahen Ostens, mit der Entwicklung des Nah-Ostkonflikts seither Intike beschäftigen.

00:51:13: Wir in der Oberstufe um Politik beschäftigen uns ganz viel im Sinne von einer Medienkompetenz mit Antisemitismus in sozialen Medien versteckte Codes und Symbole bei TikTok oder Instagram.

00:51:24: Das heißt, wir versuchen so ein bisschen dieses ... Feldantisemitismus in einem breiteren Netzwerk einzubetten.

00:51:30: Das heißt, dieses ganze Themenfeld Verschwörungserzählungen aber auch andere Formen bezogen bei Menschenfeindlichkeit das wirklich aktiv in den Politik- und Geschichtsunterricht zu holen?

00:51:41: Wichtig finde ich ja schon dass er hier deutlich macht... ...das ist nicht nur ein Problem des Politik oder des geschichtslärers sondern es ist eigentlich etwas was interdisziplinär fächerübergreifend bearbeitet werden muss.

00:51:53: und deshalb auch wenn wir über die Professionalisierung an Schulen im Bereich der Antisemitismuskritik sprechen, dann muss das eigentlich beinhalten dass damit alle Lehrkräfte und alle Personen die in einer Schule arbeiten gemeint sind.

00:52:09: Ja jetzt gibt es ja schon seit einigen Jahren Ansätze der antisemitismus kritischen Bildungsarbeit, die auch an Schulen zu Wirkung kommen.

00:52:16: Die Frage ist aber was diese Ansätze leisten können oder bewirken können?

00:52:21: und vor welchen Herausforderungen wir immer noch aktuell stehen.

00:52:29: Ja, unmittelbar nach dem siebten Oktober gab es ja die Befürchtung, wonach es nicht mehr möglich sein werde in der Schule über Antisemitismus unter dem sieben Oktober zu sprechen.

00:52:38: Und was ich ja interessant fand das ist vor allen Dingen die Universitäten waren an denen es zur massiven Ausschreitung zum massiven Demonstrationen und so massivem Verwüstung gekommen ist und mir keine Neuköllner Schule bekannt ist.

00:52:52: dieses Ausmaß gab.

00:52:54: Und das liegt, würde ich sagen insbesondere natürlich daran dass wir es hier mit Jugendlichen zu tun haben die ja auch sehr emotional manchmal auch ausschließlich emotional argumentieren und agieren können.

00:53:06: was viel herausfordernder für mich ist den Grundsätzen politischer Bildung gerecht zu werden das zu trennen von bisherigen Erzählungen die im antisemitischen Zusammenhang gebracht worden sind und hier spreche ich insbesondere natürlich über den Vorwurf des Genozids.

00:53:27: Das ist etwas, was sich als sehr herausfordernd empfinde.

00:53:30: Ich finde es deswegen herausforderend weil wir einerseits diese wie ich finde antidimitische Erzählung haben, wonach Israel von morgens bis abends seit fünf siebzig Jahren sich Genozide verursacht hat.

00:53:40: Seit zwei tausend sechs sieben arbeite ich zu diesem Thema und diesen Genozidvorwurf habe ich so oft und gegenüber gar kein anderes Land artikuliert bekommen als gegenüber Israel Selbst.

00:53:52: da war es natürlich schon wichtig, mit den Jugendlichen über dieses Thema zu sprechen und die Dämonisierung Israels herauszuarbeiten.

00:53:59: Jetzt haben wir allerdings mittlerweile eine Debatte, die anders gelagert ist als diejenigen, die unmittelbar nach dem siebten Oktober Israel bereits ein Genozid unterstellt haben und jetzt eine Debatte von durchaus anerkannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geführt wird, die die Frage des Genozids positiv beantworten.

00:54:20: Und selbst wenn ich persönlich weiterhin der Meinung bin, dass wir es eher hier mit einer zunehmenden Grenzen Kriegsführung zu tun haben muss sich diese Debatte und das ist der Auftrag von Schule entsprechend auch im Klassenzimmer abbilden.

00:54:35: Also alles was in Gesellschaft und Wissenschaft kontrovers diskutiert wird auch im Klassenaum entsprechend sichtbar zu machen unabhängig von meinen persönlichen Ansichten und dementsprechend dann auch allen Positionen Raum zu nehmen.

00:54:48: Da sehe ich eine große Schwierigkeit, die man einerseits diese fachwissenschaftliche Debatte um einen juristischen Begriff trennen kann oder wo man die Schülerin dafür sensibilisieren kann dass es diese antisemitische Erzählung auf der anderen Seite auch gibt.

00:55:05: Wir haben ein tolles Kollegium aber ich glaube ist wichtig das in Schulen Haltung herrscht, dass man Antisemitismus sensibel in Schule aufgestellt ist

00:55:14: d.h.,

00:55:14: dass man einerseits Wissen hat und sich kompetent fühlt Aber dass man eben auch weiß, was es heißt Haltung zu zeigen.

00:55:21: Das ist klar ist wenn ich problematische Äußerungen höre, dass sich auf dem Flur, auf dem Pausenhof nicht dran vorbeigehe sondern das Gesprächsuche dann geht's eben darum, was für eine Professionalisierung des Kollegiums notwendig ist und was brauchen wir für Workshop-Angebote?

00:55:34: Für Schüler.

00:55:34: in all solche Aspekte glaube ich müsste man stärken, dass Schulen sich mehr damit beschäftigen können und mehr Zeit haben.

00:55:45: Tatsächlich habe ich gedacht, dass ich gemeinsam als Kollegium auf einer Haltung einigen dass man auf dem Flur oder im Pausen hoffen eben nicht vorbeigeht, sondern das Gespräch sucht doch wichtiger als gedachtes.

00:55:56: Denn wenn ich als einzelner Lehrer mache dann bin ich schnell in der Situation, dass ich denke okay ich habe das jetzt irgendwie zum hundertsten Mal gesagt aber wenn es in der Schule die Kultur ist, bei bestimmten Äußerungen einzuschreiten und das dann eben auch zu thematisieren.

00:56:13: Dann hat es denke ich einen Effekt.

00:56:14: Und deswegen ist es eben wichtig sich als Collegium, als Team irgendwie zusammenzusetzen und solche Dinge zu besprechen.

00:56:21: Aber wir wissen ja auch wie unglaublich anstrengend das ist und wie langwierig das sein kann.

00:56:26: Wir sind mehr aus dem Haus der Warnseekonferenz.

00:56:29: Das ist natürlich tatsächlich Zeitbraucht und auch den Willen sich damit so intensiv auseinanderzusetzen Das ist ein bisschen pessimistisch.

00:56:38: Also es sind natürlich auch etwas, was sicher nicht unanstrengend ist.

00:56:43: Also am Ende will man ja auch das irgendwas dabei herauskommt und dass auch Strukturen etabliert werden, die in irgendeiner Form nachhaltig sind.

00:56:52: Weil es werden neue Lehrerinnen und Lehrer an die Schule kommen so wie es neue Kolleginnen gibt, die ans Haus der Warnseekonferenz kommen Und die Frage ist natürlich immer Wie fest?

00:57:02: verankert, im Selbstverständnis der Einrichtung ist dann die Haltung, die man dazu entwickelt hat.

00:57:07: Und wie sozusagen kann man diese Haltung auch in nachhaltige Strukturen überführen?

00:57:12: Ja weil ich meine erstmal intervenieren.

00:57:14: also wenn ich an meine eigene Schulzeit denke homophobeantibitische rassistische sexistische Äußerungen sind einfach so an der Tagesordnung gewesen als Beschimpfung ebelistische Sprüche sowieso Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass das jemals von irgendjemanden thematisiert worden wäre.

00:57:34: Ich glaube alle wussten, dass es eigentlich nicht okay ist aber natürlich in dem Moment wo ich eine Beleidigung machen möchte oder jemand verletzen möchte dann mache ich den Grenzüberschreitungen und da irgendwie reinzugehen darüber zu sprechen finde ich eigentlich ne wichtige Aufgabe.

00:57:48: Ja und insbesondere also du hast es ja kurz angesprochen diese Frage der Intervention zu intervenieren ist natürlich ganz besonders relevant für Dienigen die von Antisemitismus betroffen sein können Und Memet Shahn hat es ja schon mal kurz angesprochen, als er von den Angreifen auf jüdische Schülerinnen berichtet hat.

00:58:06: Wir wollten dem in unseren Gesprächen aber weiter nachgehen und haben deshalb auch zum Abschluss unserer Gespräche danach gefragt ob die beiden denken dass jüdliche Schülerinnen an ihren Einrichtungen sicher sind und was getan werden muss um Jüdinnen und Juden an ihren Schulen zu schützen.

00:58:28: Ich hoffe sehr und glaube, dass alle Schülerinnen sich an unserer Schule sicher und wohl fühlen.

00:58:35: Und wenn es Situationen geben sollte in denen sie Erfahrungen machen, in denen Sie sich nicht wohl und sicher fühlen, dass Ihr Vertrauen in unsere Schulgemeinschaft so groß ist, dass Sie das adressieren bei einer Person Ihrer Wahl.

00:58:50: Ja, es ist natürlich ein absolutes Problem und tragisch, wenn jüdische Familien entscheiden müssen, ihre Kinder nicht an die Schule zu schicken.

00:58:58: An die sie vielleicht dann doch lieber geschickt hätten.

00:59:01: und mit diesem Problem sind wir natürlich auch konfrontiert.

00:59:04: also einerseits habe ich ja gerade gesagt Wir haben Schülerinnen und Schüler, die aus jüdischen oder israelischen Familien kommen Und das sind Familien, die im Kiez verwurzelt sind Die auch wünschen dass ihre Kinder an eine Schule gehen, die entsprechend hier im Kiet liegt.

00:59:17: zum Teil sind das Menschen, die auch bewusst unsere oder andere Schulen auswählen weil sie natürlich auf eine andere Normalität hoffen, als in einer jüdischen Einrichtung die bewacht ist wo die Bedrohungslage nochmal anders präsent ist.

00:59:32: Als es an anderen Schulen der Fall ist.

00:59:34: wenn ich das sage will ich natürlich nicht den Fehler machen und ignorieren mit welchen antisemitischen Bildern und Problemen diese SchülerIntern entsprechend konfrontiert sein können.

00:59:44: Ich habe ja erwähnt dass unmittelbar nach dem siebten Oktober diese jüdische Kinder in der Grundstufe schon auch mit antisemitischer Markierung betroffen worden sind.

00:59:52: Aber diese Frage wird mir am Tag der offenen Tür immer wieder gestellt, kann ich meinen Kind bei ihnen auf die Schule geben?

00:59:57: und ich finde das ist wichtig.

00:59:59: hier eine ehrliche Aufrichtige Antwort zu geben, die nicht dramatisierend sein muss aber die Familienweils ja wirklich eine sehr weitreichende Entscheidung.

01:00:09: es eine eherliche Einschätzung gibt und die ehrlichen Einschätzungen von mir wäre dass wir an der Schule seit Jahren uns der antisemitismus-kritischen Bildungsarbeit verschrieben haben und hier auch tatsächlich zahlreiche Projekte vorweisen können, die diese Eltern ja auch wahrnehmen.

01:00:25: Und deswegen auch auf uns zukommen.

01:00:29: was weder ich und leider keine Lehrkraft einer anderen staatlichen Schule versprechen kann ist das dieses Kind nicht mit Antisemitismus konfrontiert wird.

01:00:40: Und es ist wahrscheinlich auch davon auszugehen dass im Kontext des Nahauskonfliktes antisemitische Bilder virulenter werden, zum Beispiel bei Kindern die einen familiären Bezug zu Palästine haben.

01:00:58: Ich fand dir bei dem was Philipp gesagt hat sehr wichtig dass es eben auch an der Schule Meldwege braucht für Schülerinnen und Schüler die von Antisemitismus oder von Diskriminierung überhaupt betroffen sind Und das es da eine Ansprechpersonen gibt weil es kann ja durchaus auch vorkommen dass der Klassenlehrer oder die Klassenlehre Ritten nicht die Vertrauenspersonen sind an die ich mich wenden möchte Und ich denke, das ist wichtig, dass so was etabliert ist und an Schulen eben vorhanden ist.

01:01:28: Wir haben diese Folge mit zwei Fällen begonnen – einem fiktionalisierten Fall der sich aber bezog auf einen Fall aus dem Jahr twoihtausendachzehn in Berlin-Zehlendorf und einen weiteren Fall den uns Wenzel Michalski geschildert hat, der Vater eines Schülers, der körperlich angegriffen worden ist als er herausgestellt hat, dass er Jude isst Und haben uns anschließend mit Philipp Eberhardt und Mehmet Can unterhalten zwei Lehrern, vor allem über die Situation an ihren Schulen nach dem siebten Oktober und dem Umgang mit Antisemitismus an diesen Schulen.

01:02:04: Mich hat besonders beschäftigt was Antisemitism mit den Betroffenen macht und fand es eben besonders bei Wenzel Miralski Wie sagt man, verstörend?

01:02:15: Also ja doch hat mich ein bisschen verstört dass irgendwie so das gesamte Leben auch dieser Familie so essentiell sich verändert hat.

01:02:23: Irgendwie durch diesen Gewaltakt aber vor allem dadurch wieder mit umgegangen worden ist.

01:02:29: Das macht mich schon sehr nachdenklich und betroffen.

01:02:33: Ja ich glaube mich beschäftigt im Moment kann sich auch morgen wieder ändern am meisten das was mir Metchan erwähnt hat nämlich dieses Dilemma wie spreche ich über den Krieg in Gaza?

01:02:45: und insbesondere, wie sprech'e ich über das Thema Genozid oder eben diesen sogenannten Genozidvorwurf, den es Israel gegenüber gibt.

01:02:54: Ohne dabei antisemitisch zu werden oder Antisemitismus zu reproduzieren.

01:02:58: ja und das beschäftige mich glaube ich vor allem auch vor dem Hintergrund unserer eigenen Arbeit weil natürlich dieser Genozidevorwurf ja auch sehr oft beinhaltet eine Täter-Opferumkehr Also Formen des Israel-bezogenen Antisemitismus sehr, dass die Israelis sicher jetzt wie die Nazis von damals verhalten würden.

01:03:18: Meinst du eigentlich das wir als Gedenkstätte überhaupt der richtige Ort sind über den Konflikt in Israel und Palästina zu sprechen?

01:03:26: Weil ich stelle mir tatsächlich diese Frage weil wir sprechen den größten Massenmord in der Menschheitsgeschichte.

01:03:34: Und natürlich gibt es auch eine Gegenwartrelevanz für die Politik heute, aber ob wir unbedingt der richtige Ort sind um die herzustellen da bin ich mir nicht so ganz sicher.

01:03:45: also ich würde jetzt solche Fragen auch nicht abbügeln und würde auch darauf eingehen wenn jemand von sich aus so einen Vergleich macht, aber doch immer mit dem Hinweis dass es bei uns eine Geschichte gibt die relevant genug ist, um sie erst mal auch für sich selber zu betrachten.

01:04:01: Ich weiß nicht ob wir der richtige Ort sind aber ich weiß aktuell auch nicht ob wieder falsche Orte dafür sind und ob wir nicht einfach auch hier uns mit einer gewissen Realität auch auseinandersetzen müssen wenn dieser Genozidvorwurf im Raum steht und wenn dieser genozid Vorwurf... Und wir kennen das ja auch, also unsere Gästebücher sind ja voll damit die Israelis verüben.

01:04:25: Heute sind es die Juden, die einen Genozid verüben.

01:04:29: Die Opfer von damals werden heute zu den Tätern.

01:04:32: Dann frage ich mich schon, ob wir uns damit nicht auseinandersetzen müssen und ob wir hier auch der Frage nachgehen müssen, was ist überhaupt ein Genozide?

01:04:41: Was war die Show-R?

01:04:43: Und wie sind Kriegsverbrechen einzuordnen, die heute passieren?

01:04:49: Da geht das jetzt nicht um eine Hierarchisierung des Leids!

01:04:52: Also es geht nicht darum zu sagen, dass die Menschen oder Zivilistinnen in Gaza nicht unermessliches Leid erfahren.

01:05:00: Aber es geht ja darum, die Dinge auch entsprechend einordnen zu können.

01:05:04: und ich denke schon wenn Besucherinnen und Besucher solche Haltungen oder Einstellungen mitbringen und sie kommen dann jetzt aus der Wannseekonferenz, sie beschäftigen sich zwar mit der Shoah bringen gleichzeitig aber auch eine ganz eigene Perspektive auf die Gegenwart mit Und wenn da Formen des Israel-bezogenen Antisemitismus mitschwingen, das kann ja bewusst oder auch unbewusst passieren.

01:05:30: Dann denke ich schon dass wir uns in irgendeiner Form damit auseinandersetzen müssen ob jetzt die Lösung ist, dass wir an der Gedenkstätte vertiefend etwas über die Geschichte des einer Ostkonflikts lernen, über die Gründung des Stadtes Israel etc.

01:05:45: Ja, darüber müssen wir nachdenken, ob das dann die Lösung des Problems ist.

01:05:50: Aber wir müssen dem auf jeden Fall nachgehen und uns damit

01:05:54: auseinandersetzen.".

01:06:05: Das war die erste von fünf Folgen von Unsafe Spaces – ein Podcast der Gedenk- und Bildungsstätte aus der Wansi-Konferenz über Antisemitismus in Berliner Bildungs- und Kultureinrichtungen.

01:06:16: In der nächsten Folge widmen wir uns den Universitäten.

01:06:20: Wenn euch Unsaif Spaces gefallen hat empfehlt den Podcast gerne weiter.

01:06:24: Folgt uns bei Spotify, Apple Podcast oder da wo ihr Podcast hört und gebt uns fünf Sterne.

01:06:30: Danke fürs Zuhören!

01:06:32: Wir freuen uns natürlich auch über eurem Besuch im Haus der Wannsee-Konferenz – oder aber Ihr schreibt uns Eure Fragen, Anregungen, Kommentare an podcastatgawk.de.

01:06:42: Die Adresse findet ihr auch in den Shownoten.

01:06:44: Hier findet ihr alle Episoden und auch ein volltextdurchsuchbares Transkript.

01:06:50: Ich bin Deborah Hartmann Und ich bin Jakob Müller.

01:06:53: Unsafe Spaces ist eine Produktion der Gedenk- und Bildungsschädte Haussevansi-Konferenz von Studio J. Redaktion und Recherche Deborah Hartmann, Jakob Müller, Hauke Jacobs und Studio J. Projektkoordination Hauker Jacobs Executive Producerin Deborah Hartman Für Studio J, Producerinnen Philippa Halder und Florian Ballmer Executive Producer Janis Gebhardt Sounddesign Sufjan Auda und Floriane Ballmar Gemischt von Fabian Klinke.

01:07:25: Ein besonderer Dank gilt allen Interviewpartnerinnen, die mit uns für diese Folge gesprochen haben.

01:07:30: Wir danken der Berliner Senatsverwaltung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Kultur, die die Realisierung dieses Podcasts durch Mittel aus dem Auktionsfonds zur Unterstützung von Projekten gegen Antisemitismus ermöglicht hat.

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